Einblick


Silvia Küng

Als Kind war ich oft auf dem Bauernhof meines Onkels und versuchte mit allen Tieren Freundschaft zu schliessen. Ich  freute mich, wenn sie zu mir kamen und ich sie streicheln konnte. Mir wurde beigebracht, jedem Tier gegenüber respektvoll und fürsorglich zu sein...

 

...dass es ein Privileg sei, ein Tier halten und es umsorgen zu dürfen. Auch später, als ich meiner Reitleidenschaft folgte, hiess es, vor dem reiterlichen Wohl, muss das Pferd versorgt werden.

 

Diese tierfreundliche Einstellung kam etwas ins Wanken, als ich meinen ersten Hund bei mir aufnehmen durfte und zur Unterstützung seiner Erziehung eine passende Hundeschule suchte. Hier war es wichtig, den Hund unter Kontrolle zu bringen. Er sollte aufs Wort gehorchen. Sitz, Platz und Fuss wurden zum konfliktreichen Hauptthema, wenn immer ich mit meinem Hund unterwegs war.

 

Mein inneres Gefühl sagte mir, dass dies nicht alles sein könne. Mein Weg führte mich glücklicherweise in Richtung artgerechten Umgang und weg vom Erziehungszwang. Mir gefiel es, dem Hund mehr Freiraum geben zu können und dabei die Beziehung zu ihm zu verbessern. Plötzlich lag es nicht nur an mir, für das Wohlbefinden des Hundes verantwortlich zu sein. Der Hund selbst würde mir mitteilen, was er braucht, damit es ihm gut ginge, wenn ich nur gut genug auf ihn achten würde.

 

Ich schlug nebenberuflich eine Hundeerziehungsberater-Laufbahn ein und fand es wichtig, Menschen bei der Suche nach einer artgerechten Beschäftigung ihrer Vierbeiner zu unterstützen.

 

In der Zwischenzeit lebe ich mit fünf wunderbaren Charakterhunden zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich darf mit Freude feststellen, dass meine Lehrzeit längst nicht zu Ende ist, denn meine Hunde führen mich täglich tiefer in ihre Hundewelt ein und zeigen mir sehr eindrücklich, wie viel man von ihnen lernen kann.

 

Ich bin sehr froh darüber, dass ich mit Nadine und Luzia zwei gleichgesinnte Kolleginnen gefunden habe, die mit mir das Erlebnis Hund teilen möchten. Mit viel Freude und Engagement möchten wir interessierten Hundefreunden zeigen, welche Erkenntnisse wir durch artgerechten Umgang mit dem Hund gewonnen haben und diese Erfahrungen mit ihnen teilen.


Silvia's Hunderudel


Amigo

der territoriale Leithund,

Kompetenz in Reviersicherung      

Amigo ist mit viel eigenem Willen gesegnet. Ein tiefsinniger Charakter, ein grosser Denker mit mentaler Stärke. Oder anders ausgedrückt, man braucht ein grosses Herz und viel Empathie, um seinem friedfertigen Wesen gerecht werden zu können. Amigo mag keine grossen Veränderungen. Er mag es auch nicht, wenn man streitet oder jemand unbeabsichtigt seine Ruhe stört. Amigo hätte gerne, dass man ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen kann. Schafft man es nicht innert seiner vorgegebenen Zeit, kann er auch schon mal ungeduldig werden und motzen. Amigo hat im Rudel eine wichtige Sicherheitsaufgabe. Er prüft das Gelände auf Veränderungen und meldet seinen Kameraden, wenn Gefahr im Verzug ist, sein könnte oder eventuell ein anderer ihm gefälligst bei seinem Rundgang helfen soll. Amigo ist ein grossartiger Lehrmeister. Sein eigenwilliger Charakter regt zum Nachdenken an. Ein kleiner Hund mit grossem Herz, der seiner Linie treu bleibt und darauf hofft, dass man sein Freund sein will.



der territoriale Wächter     

Tim hat zwei Seiten an sich. Einerseits ist er der gewitzte anschmiegsame Liebling, der kein Wässerchen trüben kann, andererseits sind all seine Sinne geschärft, sodass ihm kein Reiz verborgen bleibt. Von 0 auf 100 ist Tim bereit das zu tun, was nötig ist. Vom sanften verschmusten Lamm zum mutigen Krieger erwacht. Dieser Charakter hat einen ausgeprägten Schutztrieb, was bedeutet, dass es sinnvoll ist, ihm klar zu machen, dass nicht alles, was im Garten hustet eine Gefahr bedeutet und auch nicht jedes Wildtier im Futternapf zu landen hat. Tim ist der Wächter, der seinem Leithund Amigo Rückendeckung gibt. Gemeinsam sichern beide das eigene Territorium ab. Unterwegs ziehen sie los auf Erkundungstour. Tim steht als territorialer Torwächter zur Stelle, sobald fremde Artgenossen auftauchen. Seine Aufgabe im Rudel ist es, die Gruppe vor Eindringlingen zu schützen. Tim braucht klare Anweisungen es nicht zu tun. Sein Sicherheitsbedürfnis ist gross.

Tim



Dundee

der soziale Leithund      

Dundee ist mit einem ausgeprägten Kontroll- und Ordnungssinn ausgestattet. Alles, was zwei oder vier Beine hat, möchte er kontrollieren. Im Rudelverband schafft er es mit Leichtigkeit, sich in den Mittelpunkt zu stellen und Präsenz zu markieren. Durch fleissige Einflussnahme bei allem, was sich bewegt, kann er sich viel Ansehen und Respekt erarbeiten. Sein Einsatz wirkt zwar dominant und ist gerade dann, wenn man über ihn stolpert auch manchmal lästig, trotzdem ist der Gewinn seiner unermüdlichen Arbeit auch für seinen Menschen sehr wertvoll. Dundees Bemühungen sind immer zum Wohl der ganzen Gruppe. Er spürt Konflikte bevor sie ausbrechen und ist mutig genug, die Ordnung wieder herzustellen. Er ist sehr sprachgewandt und bemüht sich sehr um Verständigung. Darf er seine Anliegen vorbringen, macht es auch viel Spass, mit ihm zusammen eine Lösung zu finden. Dundee ist ein komplexer, wunderbarer Charakterhund, der mit einem gerne Äpfel stehlen möchte.    



der soziale Assistent

Silas ist ein neugieriger und wesensfester Hund. Er ist geradlinig und strahlt Lebensfreude aus. Durch seine soziale Kompetenz schafft er es, Artgenossen in die soziale Gemeinschaft einzubinden. Trotz seines souveränen Auftretens lässt er sich gerne anleiten und ist Dundee, seinem besten Freund, loyal verbunden. Silas hat die Gabe, als Schlichter durchs Leben zu gehen. Er hat eine gewinnende, einbindende Art an sich, die sich nicht nur auf den Menschen positiv auswirken kann. Silas ist der verlängerte Arm von Dundee und kann all jene Aufgaben in die Tat umsetzen, die Dundee trotz grossem Fleiss überfordern würden. Silas braucht einen Rahmen, indem er sich bewegen kann. Dundee zeigt ihm diesen auf und sorgt dafür, dass Silas sich in seiner Lebensbejahenden Art nicht verliert.    

Silas



Enya

die soziale Wächterin

Enya ist aufmerksam und anhänglich. Territoriale Aussenreize interessieren sie kaum. Sie bringt sich dort schlichtend ein, wo sich Konflikte anbahnen. Sie stellt sich dann auf die Seite desjenigen, der die Ruhe wiederherstellen möchte und das Dank ihrem beherzten Einsatz mit Erfolg. Enya hat ein Kämpferherz und lässt sich nicht gerne dominieren. Sie ist selbstbewusst und loyal und steht abrufbereit für vollen Einsatz. Sie möchte immer das Richtige tun. Enya ist eine tapfere kleine Hündin, die ihrem Dundee treu zur Seite steht, wann immer er sie braucht.