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Welpenzeit und der Wettlauf mit der Zeit...

...wenn es um optimale Welpenprägung geht:

Immer wieder stösst man im Internet auf gut gemeinte Ratschläge von Hundefachleuten, die propagieren, dass Welpen möglichst frühzeitig an unterschiedliche Dinge gewöhnt werden sollen, damit die später keine Probleme mit Umweltreizen haben.

Was bedeutet das für Züchter?

Sie werden von künftigen Welpenbesitzern gefragt, ob sie ihre Welpen auch ja gut geprägt haben, denn sollte das nicht so sein und der Hund macht später Probleme, fällt das leider häufig auf den Züchter zurück. Zur Entlastung der Hundehalter, so einfach ist es nicht.

Kein Wunder also, wenn Züchter fast schon in einen Wettkampf genötigt werden, wenn ihre Kundschaft Welpenprägung voraussetzt. Niemand möchte sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht alles getan zu haben, um den Welpen den besten Start zu ermöglichen.

 

So passiert es, dass Züchter ihre wenige Wochen alten Welpen in den Garten tragen und sie mittendrin auf eine Decke setzen. Möglichst umgeben von einer Agilityanlage, ausgefallenem Spielzeug, Klapperdosen und buntem Flatterzeug. Jeder soll sehen können, dass sie ihren Job gut machen.

Ein paar Tage später werden die Babies in einen Korb gepackt und ins Auto verfrachtet. Ein paar Runden durchs Quartier und auch diese Alibiübung kann abgehakt werden mit Vermerk „Hund kann Autofahren“.

Jetzt muss der Nachwuchs noch den Bahnhof besuchen, durch den Baumarkt geschleppt und den Tieren im Wildpark vorgestellt werden. Aber das ist längst nicht alles, denn sie müssen möglichst viele Menschen treffen, am besten Kinder jeden Alters, betagte Menschen mit Gehilfe, behinderte Menschen, solche mit grossem Hut, kleinem Hut, bunter Kleidung und Uniformen. Die Menschen müssen tanzen, klatschen, schreien, damit sich der Welpe über gar nichts mehr zu wundern braucht. Natürlich müssen all diese Menschen den Hund streicheln, auf dem Schoss wiegen und fest liebkosen. Alle Welpen müssen all das, was sie während ihrer Prägungszeit kennengelernt haben, einfach nur richtig spassig und toll finden.

Liebe Hundefreunde jetzt mal Hand aufs Herz. Glauben Menschen denn wirklich, dass all diese gut gemeinten Aktionen irgendeinen positiven Effekt auf einen Welpen haben? Wir von Kommunikation-Hund.ch können an unseren Seminaren Hunde mit unterschiedlicher Herkunft kennenlernen, die nicht selten keine sogenannte „optimale“ Welpenzeit geniessen konnten und trotzdem in der Lage sind, wunderbare vertrauensvolle Beziehungen mit Artgenossen oder Menschen einzugehen.

Was schliessen wir daraus?

Hunde sind soziale Lebewesen, die stark mit ihrem sozialen Umfeld vernetzt sind und ihr Verhalten darauf abstimmen. Sie lernen ihr Leben lang, sofern ihre Basisbedürfnisse (Sicherheit, Nahrung, Wärme, Geborgenheit usw.) gestillt sind und man ihnen gestattet, sich sozial auszutauschen. Hunde sind neugierig und freuen sich, wenn sie zusammen mit ihrem Sozialpartner die Welt entdecken können.

 

Was bedeutet das, wenn wir von Welpenprägung sprechen?

Welpenprägung bedeutet, ganz nebenbei die Geräusche, Gerüche und Bewegungsreize des Alltags als „normal“ zu empfinden. Dazu braucht es eine Zuchtstätte, welche die Bedingungen an einer angemessenen Umgebung erfüllt. Beispiele: künftige Hofhunde werden mit Hoftieren, grossen Maschinen usw. vertraut gemacht. Dazu braucht es eine ländliche Umgebung. Familienhunde sollten am Familienleben teilhaben können, Herdenschutzhunde mit Nutztieren, die sie später auch beschützen müssen, angehende Diensthunde und Jagdhunde sollten mit Geräuschen ihrer zukünftigen Arbeit vertraut gemacht werden usw. Geprägt wird auf das Umfeld, in dem Welpen später leben sollen. Aber damit nicht genug. Ein Welpe orientiert sich massgebend an seinen Geschwistern und dem Muttertier. Forciert der Züchter künstlich hergestellte Herausforderungen gegen den Sicherheitsinstinkt des Muttertiers und den der Welpen, wird die Erfahrung mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht das erwartete Ergebnis liefern. Setze ich ein Rudel Welpen mitten ins Nirgendwo in den Garten ohne Rückzugsort, dann versetze ich nicht nur die Welpen in Panik, sondern auch die Mutterhündin, die ihre wenige Wochen alten Welpen instinktiv vor Feinden schützen möchte. Müssen die Welpen sich gegenseitig schützen, indem sie sich aufeinanderlegen, überträgt sich die Angst auf den ganzen Wurf, denn Herzrasen macht sich über alle Welpen breit. Das bedeutet, es braucht immer eine Rückzugsmöglichkeit für diejenigen Welpen, die etwas länger brauchen, um sich an Neues heranzuwagen.

 

Wie sinnvoll ist es, Welpen herumzutragen? Es ist wie bei Kindern. Zu viel Hilfe verhindert, dass die Jungen ihr Verhalten über ihr eigenes Hirn steuern. Es ist für die Entwicklung eines Jungtieres notwendig, so viel Erfahrungen wie möglich durch die eigene Wahrnehmung über das Hirn zu verarbeiten, damit am Ende ein authentisches Verhalten gezeigt werden kann. Das Hirn darf in diesem sensiblen Stadium nicht überfordert werden, denn Überreizung führt zu Stress durch Überforderung. Jeder Welpe geht mit Umgebungsreizen anders um und das ist wichtig zu wissen, wenn es darum geht, den Welpen individuell zu fördern. Bevor die Welpen also mit künstlichen Reizen belastet werden, sollten sie die Möglichkeit haben, die „echte“ Umgebung in ihrem Tempo zu erkunden.

Packe ich alle Welpen zusammen und gehe mit ihnen Autofahren, genügt ein Welpe mit Panik, der die anderen in den Notstandmodus versetzt. Der Lernerfolg ist gleich Null. Welpenprägung sollte positive Effekte haben und deshalb sind souveräne Vorbilder notwendig. Prägung ist zu wichtig, als dass man sie dem Zufall überlassen sollte.

Wir empfehlen daher, keine Panik wegen der Prägungszeit. Sie läuft uns nicht davon, im Gegenteil. Weniger Erfahrungen, die aber im Kopf des Welpen verarbeitet werden konnten, sind besser, als schlechte Erfahrungen. Die Welpenbesitzer können die Unerfahrenheit ihres Schützlings für die Beziehungsarbeit für sich nutzen, wenn sie sich gegenüber ihrem Welpen emphatisch zeigen und auf dessen Bedürfnisse ganz individuell eingehen. Darf der Welpe sich davon überzeugen, dass der Mensch vertrauensvoll ist, steht einer wunderbaren Beziehung und alltäglichen Herausforderungen nichts im Weg.

 

Unsere Leidenschaft ist die individuelle Förderung vom Welpen bis zum Senior.


Hunde sind Rudeltiere

Hunde sind Rudeltiere, denn sie stammen vom Wolf ab. Was aber, wenn der eigene Hund gar kein Interesse an Artgenossen hat? Er mit Artgenossen nicht spielen möchte, ja sogar aggressives Verhalten zeigt, sobald er nur von Weitem einen Hund sichtet?

Sind Hunde deshalb keine Rudeltiere mehr? Eine Frage, die viele Hundehalter verunsichert und denen aus Fachkreisen geraten wird, keinen Kontakt zu Artgenossen mehr zuzulassen. Ist das der richtige Weg?

Um die Frage beantworten zu können, kann man sich fragen, wie sich denn ein Wolf verhalten würde, wenn er unter den gleichen Lebensbedingungen leben müsste, wie es unsere Hunde tun?

Wölfe leben in ihren eigenen Gemeinschaften sehr friedlich zusammen. Aus Beobachtungen weiss man, dass sie ausgesprochen soziale Wesen sind und niemand würde das in Frage stellen. Ihr Lebensraum ist recht gross und somit können Wölfe es weitgehend vermeiden, Konkurrenzrudeln zu begegnen. Wäre das nicht der Fall, würden alle aus Existenzängsten heraus, das eigene Rudel verteidigen und es käme zu Kämpfen, die in der Natur sehr oft tödlich enden. 

Wir von kommunikation-hund.ch widmen uns unter anderem mit dem Thema Rudelstrukturen, Hundepersönlichkeiten und Auswirkungen auf das Leben mit Hund im Alltag. Für uns hat das Verhalten eines Hundes einen direkten Zusammenhang mit seinen Urinstinkten, dem Erbe sozialer Beutegreifer und damit zusammenhängenden Pflichtaufgaben, zum Wohl der Gemeinschaft, in der er lebt. Hier kommen besondere Charaktereigenschaften und somit abweichende persönliche Bedürfnisse zum Tragen, die es möglich machen, dass Aufgaben nach Begabung untereinander aufgeteilt werden können, um sich gegenseitig zu ergänzen.

 

Erzieherische Massnahmen des Menschen haben auf die persönlichen Bedürfnisse eines Hundes und somit auf seinen angeborenen Charakter kaum einen Einfluss. Nicht selten verhärten sich sogar dadurch die Fronten und Mensch und Hund werden unzufrieden. Wie man unter Berücksichtigung des Charakters die Beziehung zum Hund vertiefen kann, zeigen wir an unseren Praxisseminaren - wir analysieren den Charaktertyp Ihres Hundes.  

 

Warum ist die Rudelgemeinschaft für Hunde so wichtig? Sobald ein Hund in einer Gemeinschaft lebt, in der seine Bedürfnisse grösstenteils befriedigt werden, gerät er in eine emotionale Abhängigkeit. Diese führt dazu, dass der Hund sein Bestes gibt, um seinen Platz in diesem Rudel zu sichern. Er tut das, indem er soziales Verhalten gegenüber seiner eigenen Gruppe zeigt und je nach Bedarf abwehrendes Verhalten gegenüber rudelfremden. 

 

Gehen wir mit unseren Hunden spazieren und treffen dort auf andere Menschen mit Hund, treffen sozusagen mehrere Rudel aufeinander. Die Hunde verhalten sich einander gegenüber dann so, wie sie durch ihr eigenes Rudel verpflichtet werden. Das heisst, überlässt ein menschlicher Sozialpartner sämtliche Sicherheitsaufgaben seinem Hund, wird sich dieser verpflichtet sehen, die Verteidigungsfront zu übernehmen. Wer nun dem eigenen Rudel zu nahe kommt, wird kontrolliert und im schlimmsten Fall vertrieben auch dann, wenn es sich um Artgenossen handelt.

 

Fazit: Hunde sind ausgesprochen soziale Wesen. Sie geben alles für ihr vertrautes Umfeld, auch dann, wenn es nicht die eigene Art betrifft. Sie sind aber in jedem Fall auf Unterstützung aus den eigenen Reihen angewiesen, die sicherstellt, dass Fremdbegegnungen nicht automatisch Gefahr bedeuten. Für ein einzelnes Rudelmitglied ist die Bürde, die Verantwortung für das Rudel zu übernehmen schlichtweg zu gross. 

Wie kann man soziales Verhalten von Hunden fördern? Hunde haben das Potenzial, sozial miteinander umzugehen. Das ist keine Frage. Sozialverhalten beinhaltet aber auch die Kommunikation untereinander und das bedeutet, dass Hunde die Möglichkeit haben sollten, Artgenossen differenziert wahrzunehmen. Das, indem sie lernen, Individualdistanzen respektvoll einzuhalten und auf Signale des Gegenübers zu achten. Es sollte ihnen gestattet sein selber zu entscheiden, ob sie einen Artgenossen kennenlernen möchten oder nicht. Heutzutage ist es kaum mehr möglich, Konkurrenzrudeln aus dem Weg zu gehen. Zu dicht ist der Lebensraum, indem unsere Hunde klarkommen müssen. Es ist deshalb nicht falsch, Hundefreundschaften auch ausserhalb der Lebensgemeinschaft zu ermöglichen und zu pflegen und dadurch eine grösstmögliche Akzeptanz gegenüber Fremden zu schaffen.

Deshalb unser Motto zum sozialen Umgang: Wir bieten die Wahl zu dürfen, wenn sie wollen ohne zu müssen.